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DJ LAURETH
Head of Plusquam Records

wir sollten die probleme auch etwasbei uns suchen. der boom der letzten jahre ist
einfach vorbei. wir habenglaub ich etwas aus den augen verloren dass wir underground sound machen. eswurde immer mehr veröffentlicht, immer mehr geld gezahlt, und immer mehr produziert. die szene hat diese entwicklung nur leider gar nicht mitgemacht.
wir müssen uns einfach konsolidieren, mal wieder eine weile den ball flach
halten und uns besinnen. den markt nicht überladen, mehr auf qualität achten, neue vertriebswege wie das internet nutzen.


Frank: Stell Dich doch mal kurz selbst vor, wer bist Du und was machst Du so?

Laureth:mein richtiger name ist jürgen, bin 32 jahre alt, lebe zur zeit in hamburg,
bin dj und besitzer von plusquam records und arbeite nebenher noch für die
telekom

Frank: Wann war Dein erster Kontakt mit Trance Musik, und wie hast Du sie
damals wahrgenommen?

Laureth: meine erste technoparty war 1989 in der königsburg in krefeld. ich glaube
westbam, jens lissat, dj dag und einige andere haben aufgelegt. das war
einfach wahnsinn. das war meine musik. da konnte man sich richtig fallen lassen und das drumherum vergessen.
eigentlich war das schon trance. zumindest löste das damals schon diesen
zustand beim tanzen bei mir aus.

Frank: Wann war Deine erste Party und was hast Du für Dich von dieser
mitgenommen?

Laureth: siehe frage 2. meine erste psy- / goatrance party war dann später 1994 in
köln. damals studierte ich noch BWL, hab auf house parties aufgelegt und
meine ersten tracks im studio produziert. ich war schon länger in der
technoszene unterwegs. die musik selbst war sehr energetisch im vergleich zu
der arschwackelhousemusic die ich gewöhnt war. noch mehr war ich allerdings
vom ganzen drumherum beeindruckt. die leute dort waren einfach anders drauf.
nicht so affektiert und oberflächlich wie sonst. das miteinander gefühl der
ersten techno parties war plötzlich wieder da. das ganze hat bei mir ein
regelrechtes umdenken im leben ausgelöst. meine werte haben sich seit dem
völlig verändert. trance ist für mich mehr als nur eine musik. damit
verbunden ist auch eine alternative einstellung zum leben und zu den dingen
die darin wichtig sind.

Frank: Seit wann bist du DJ Laureth und seit wann drehst du die Plattenteller?

Laureth: ich bin dj seit 1990. damals in der osho discotek in köln, in deren kleinem
club 'le petit prince' ich die erste techno party serie veranstaltete. da
spielte ich noch techno, ebm, acidhouse hardtrance. danach ging das so langsam in
house über. dj laureth nenne ich mich erst seit ende 94, als ich anfing auf
psy- / goatrance parties zu spielen..

Frank: Was war dein erstes Vinyl und wie würdest Du selber Deinen Style
beschreiben?

Laureth: mein erstes vinyl war 'trans x - living on video'. das muss wohl irgendwann
in den 80ern gewesen sein. das erste trance vinyl, was dann die
initialzündung auslöste, war die erste 'concept in dance' compilation
'digital alchemy', die ich übrigens immer noch für eins der fettesten
trance release ever halte..

Frank: Was machst Du gerade oder ans was Arbeitest du gerade?

Laureth: nach dem ich von shakaree und tatsu weg bin, landete ich ja bei spirit zone.
da kümmerte ich mich ja bereits um das sublabel plusquam. das label hab ich
dann letzten august übernommen. nun versuche ich natürlich das label in
schwung zu bringen. daneben arbeite ich noch an einer internet platform für
mp3 downloads. wir sind damit fast fertig und werden wohl im juni damit an
den start gehen können. das wird dann die erste reine music on demand plattform für trance. dort wird man dann zunächst, neben dem plusquam
stuff, auch tracks von hadshot, balloonia, iboga, digital structures und
ultimae downloaden können. ein track wird 99 cent kosten, bzw. 89 cent wenn
man ein abo abschliesst. nach und nach werden dann noch mehr labels hinzukommen. aber dazu noch später mehr...

Frank: Wo wird Deiner Meinung nach die Musik " Psy-Trance" noch hin gehen,
siehst Du eine Entwicklung?

Laureth: psytrance wird es sicher in vielen jahren noch geben. egal ob full-on oder
progressive. die szene wächst immer noch. vielleicht nicht in deutschland
oder europa, hier stagniert die sache etwas. aber dafür im rest der welt..
die jungen leute die neu auf die parties kommen wollen natürlich vollgas
hören, das wollten wir ja früher auch. gerade erlebt daher full-on wieder
einen aufschwung. progressive wird es aber sicher auch weiter geben. hier
werden die verschiedensten einflüsse spürbar. house, techno, breaks, alles
ist drin.

Frank: Welche Chancen haben Newcomer heute noch, Deiner Meinung nach?

Laureth: newcomer haben immer noch fast die selben chancen wie eh und jeh. nur ist
die
qualität des sounds natürlich immer besser geworden. da müssen sich newcomer
schon mehr anstrengen als früher vielleicht. anfangs gab es halt nur wenige
labels und artists. da hat man fast automatisch alles genommen was einem in
die finger kam. jetzt gibts es viele sehr gute etablierte artists. und noch
viel mehr versuchen es. das kommt auch dadurch, dass es immer einfacher und
billiger wird musik zu produzieren. aber es gibt auch viel schrott. die
ansprüche sind höher geworden. die produktionen müssen einfach fett sein und
eine spur individualität kann auch nicht schaden. viele demos die man
bekommt klingen einfach gleich. da skipt man nur durch. man muss schon etwas
innovativer sein um sich aus der masse hervorzuheben

Frank: Nenne uns Deine besten Newcomer?

Laureth: ich kann jetzt natürlich nur für progressiven sound sprechen. absolut
herausragend sind für mich FREq und Shaman. FREq hat mich wirklich sehr
beeindruckt. seine tracks leben von sounds und effekten die mich endlich mal
wieder überraschen. Shaman überzeugt durch eine sehr hohe musikalität.
im full-on bereich ist es für mich Sub6..

Frank: Was war Dein schönstes DJ Erlebnis?

Laureth: ich denke das war ein 2stündiges set auf einem loveparade truck. das war in
dem jahr wo über eine million menschen da waren. das war absolut
beeindruckend und auch ein kleiner traum von mir...

Frank: Wie siehst Du Die Szene hier und in Hamburg?

Laureth: ich fand aber immer das die crowd im ruhrgebiet offener ist für die
verschiedensten
musikstile. die hamburger waren teilweise sehr wählerisch und es kam einfach
keine stimmung auf wenn man denen nicht vorsetzte was sie haben wollen. in
köln - ruhrgebiet - sauerland sind die leute offener und lassen sich einfach
besser mitreissen...

Frank: Gibt es grosse Unterschiede zwischen Hamburg Sound und Ruhrgebiets
Sound

Laureth: ich denke mitlerweile sind wir ziemlich auf einer wellenlänge

Frank: Was hast Du noch vor musikalisch?

Laureth: schwer zu sagen. das ist immer etwas stimmungsabhängig bei mir. im moment
finde ich es ganz gut wenn wenn die tracks wieder etwas mehr dampf haben...
aber groove muss immer sein...

Frank: Geplante Projekte?

Laureth: wie schon erwähnt wird das grösste projekt wohl die trance download
paltform. clickatrack.com wird sie heissen. da steckt viel arbeit drin und
es ist noch viel zu tun. wir werden zunächst mit 5 labels starten und dann
immer mehr content aufnehmen. die letzten jahre haben wir alle über die
negativen effekte des internets gejammert. es birgt aber auch viele chancen
die man nur nutzen muss...

Frank: Erzähle uns was zu Plusquam wer steht dahinter und wie lautet Eure
strategie?

Laureth: hinter plusquam stehe zur zeit nur ich selbst. mapusa mapusa unterstützt
mich bei der a&r arbeit dj yak und die jungs von buzzmonx unterstützen mich
beim mastering. den ganzen rest mach ich alleine. die strategie ist schnell
erklärt. es wird nur stuff released den ich auch geil finde. keine
kompromisse, nur um bessere verkaufszahlen zu erziehlen. ich denke plusquam
steht mittlerweile für einen bestimmten sound, der mehr und mehr liebhaber
findet. und vor allem auch für eine qualität, die man bei vielen anderen
labels leider vermisst.

Frank: Es sterben immer mehr Label auch gute und grössere Label haben
finanzielle Probleme ,wie geht ihr mit dieser krise um?

Laureth: naja, die krise ist ja nicht nur auf einen punkt zurückzuführen. viele
dinge spielen da rein. alle müssen ein wenig umdenken damit sich die dinge bessern. es macht keinen sinn einfach nur gegen das kopieren
zu wettern. natürlich schadet uns das. teilweise werden meine
veröffentlichungen schon vor dem release date im internet getauscht. das ist
natürlich schockierend. aber da sind noch so viele andere gründe. die
allgemeine wirtschaftliche lage hat sich einfach verschlechtert. es kann
sich keiner mehr leisten so viel musik zu kaufen wie noch vor einigen
jahren. dabei sind die preise günstig wie nie zuvor. die qualität muss
wieder besser werden. es langt einfach nicht, ein bis zwei fette tracks auf
einer cd zu haben und der rest ist billiges füllmaterial. klar das sich da
die cd keiner mehr kauft und lieber die beiden interessanten tracks aus dem
netz zieht. dann ist da die labelschwemme. vor einigen jahren wollten alle
plötzlich dj werden. jetzt hat man manchmal den eindruck, dass am liebsten
jeder sein eigenes label aufmachen will. wie gesagt, es gibt zwar sehr viel
musik, vieles davon sollte aber besser nicht an die öffentlichkeit
geraten... aber der trend geht auch dort wieder aufwärts. viele labels
mussten ja bereits aufgeben. das kommt der qualität zugute.

am ende werden sich die mit dem besten kozeptund der besten qualität durchsetzen.
qualität und eine gewisse professionaltät könnte der szene wirklich guttun. das fängt schon bei den dj's an. wenn mein sein geld mit auflegen verdient, sollte man seine szene auch unterstützen und seine musik auch kaufen. klar bekommt man auch promos geschickt. das ist ja auch ok, aber bei vielen dj's sieht man nur noch kopierte cd's in der tasche uns das wars.
die veranstalter müssen auch mal nachdenken. man sollte mal wieder anfangen sich abzusprechen und nicht zig parties an einem wochenende zu machen. auf den meisten parties ist doch nix mehr los. zu teuer und einfach zu viel konkurrenz an einem wochenende. zudem sollten sie mal besser darauf achten, welche artists gebucht werden. die leute die schon seit jahren viel für die szene tun und auch erfahrung im auflegen mit sich bringen, bleiben mittlerweile oft auf der strecke. es werden lieber leute gebucht die die für möglichst wenig geld auflegen. darunter leiden die parties und dadurch werden auf lange sicht die leute vergrault. klar kann man fürs spritgeld auflegen wenn man sich seine musik zusammenklaut. wenn man aber 10-20 platten/cd's die woche kauft, geht das nicht. aber die ganze szene wird nur überleben solange die musik auch noch gekauft wird.
aber ich denke es nützt auch nichts immer mit dem finger auf die anderen zu
zeigen. der böse kopierer, der böse downloader. welcher trance dj kann sich schon davon freisprechen nicht schonmal tracks getauscht zu haben?

wir sollten die probleme auch etwasbei uns suchen. der boom der letzten jahre ist einfach vorbei. wir habenglaub ich etwas aus den augen verloren dass wir underground sound machen. eswurde immer mehr veröffentlicht, immer mehr geld gezahlt, und immer mehr
produziert. die szene hat diese entwicklung nur leider gar nicht mitgemacht.
wir müssen uns einfach konsolidieren, mal wieder eine weile den ball flach
halten und uns besinnen. den markt nicht überladen, mehr auf qualität achten, neue vertriebswege wie das internet nutzen.

Frank: Was kann man in Zukunft von Plusquam erwarten?

Laureth: dieses jahr kommen noch die alben von buzzmonx, haldolium und auricular.
dazu noch eine compilation. vielleicht machen wir sogar mal wieder ein
vinyl. danach sehen wir weiter...

Frank: Wer gehört zum Plusquam Artistteam?

Laureth: hauptsächlich die hamburger posse. mapusa mapusa, sascha und ich als dj's.
die live acts buzzmonx, timetech, haldolium, auricular, shaman. fabio macht
auch wieder mehr. hat mit mapusa jetzt ein paar richtig dicke tracks
gemacht. dazu kommen noch dj so, unser label dj in japan, der uns dort etwas
unterstützt und sehr gute dj skills hat und dj oli, der sich zur zeit in
brasilien rumtreibt.

Frank: Zum Schluß Deine aktuelle Top 10?

1_ Sonkite - On Air (Digital Structures)
2_ Haldolium - All My Life (Plusquam unrel.)
3_ FREq - Dreaming (unrel.)
4_ Son Kite - The Stars Within us (Digital Structures)
5_ Vision and Canedy - La Guna (unrel.)
6_ Tegma - Wandala (Plusquam)
7_ Pig & Dan - Addiction (Sadie)
8_ Infusion - Legacy (Audiotherapy)
9_ Francesco Farfa - The Kings of Dirty Gold (Absolutely)
10_ Loco Dice - Phat Dope Shit - Saeed 's Shit Base Rmx (Fourtwenty) (still phat!!)

Interview by Frank